Gesucht: TT&T als "Rolling Bones"

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Coolwater

@coolwater

Manche Details sind auch nicht belegbar, wie z.B. der "Zoo Pipapo" (S.28).

Hab's mir grad angeschaut. Es handelt sich um das doppelseitige Organigramm (heißt so, oder?) des "Duck-Trusts". Unter "Inland" ist ein Kastl, drin steht übergeordnet "Vergnügungsindustrie", und drunter sind zwei Spiegelstriche "Spielwarenfabrik" und "Zoo Pipapo". Ich hab' jetzt eine Theorie, die ich gar nicht so kühn finde. Die Grobian Gänse werden das Ding ja dem Verlag als handschriftliche Skizze geliefert haben. Fürs Buch umgesetzt hat's dann ein Graphikmensch des Verlags. Meine starke Vermutung: Die Gänse wollte unter "Vergnügungsindustrie" zwei Unterpunkte "Spielwarenfabrik" und "Zoo", und dazu sollte im Kastl noch "Pipapo" stehen für "Sonstiges" oder "was noch so dazugehört", und zwar zur Vergnügungsindustrie. Der Graphikmann hat das nicht kapiert oder jedenfalls graphisch unglücklich, mißverständlich umgesetzt, und in der Korrektur haben's die Gänse übersehen. Gott, Kleinigkeiten übersieht man schon mal. Man beachte, daß in dem Kastl drüber, "Verkehrsindustrie", die zwei Unterpunkte "Eisenbahn" und "Duck'sche Fluglinie" ohne Spiegelstriche nebeneinander stehen, und in dem Kastl, was wieder über dem ist, steht "Maklerbüro Mutschmann", also ein Name, in zwei Zeilen, die zweite eingerückt. Und wenn man sich die weiteren Kastln anguckt, findet man noch mehr durcheinander, mal so, mal so. Die graphische Umsetzung des Ganzen ist also Kraut und Rüben. Was meine Unterstellung, "Zoo" und "Pipapo" gehörten gar nicht zusammen, bestärkt. Hab's früher auch immer als "Zoo Pipapo" gelesen.

21.06.2023, 12:18:06

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Das Schwarze Phantom

@das_schwarze_phantom

Ja - klingt durchaus plausibel! Es gibt aber noch eine zweite Ungereimtheit: im Stammbaum der Ducks taucht (ganz oben, mittig) ein gewisser "Eitel Erpel" auf - den es aber in keiner Geschichte gibt. Hat er sich wohl selbst ausgedacht ... Ähnlich wäre höchstens noch "Eitel Friedrich Eidergans" (TGDD 52, S. 7ff), der aber kein Verwandter der Ducks ist.

21.06.2023, 13:56:31

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Coolwater

@coolwater

"Eitel Erpel"

Der hat's auch in den Reicheschen Stammbaum geschafft: http://goofy313g.free.fr/calisota\_online/trees/ducktrees/germanic.html (links oben) Reiche hatte wahrscheinlich keinen Schimmer, wer das sein soll, hat ihn in dubio pro Eitel aber vorsichtshalber aufgenommen. Wenn vor 1970 sonst kein Eitel aus dem Duck-Dunstkreis bekannt ist, halte ich's durchaus für möglich, daß der Eidergans sich hineingemogelt hat. Wissenschaftliches Arbeiten war damals ja noch hartes Pen-and-paper-Brot. Nix Elektronengehirne. Und einmal was falsch abgeschrieben oder halb- oder unleserlich abgeschrieben oder falsch "aus der Erinnerung" zitiert, schon ist die "Fälschung" in der Welt und will nicht mehr gehen. Wie man's anstellen kann, Eitel Friedrich Eidergans versehentlich als "Eitel Erpel" auf Donalds Generationebene in den Stammbaum zu setzen, mir fällt's auch schwer, das nachzuvollziehen. Vielleicht hat einer "Eitel E." notiert und der andere es falsch aufgelöst ("kann nur Erpel heißen"). Man muß bedenken: Die Grobian Gänse waren Studenten, und ich stell' mir vor, das Buch ist wohl nicht auf Institutsschreibtischen Gestalt geworden, sondern abends in der Kneipe bei Bier und Tabakdunst und Musi und Gspusi. Mildernde Umstände. Bei solchen Ablenkungen latscht der getreuste wissenschaftliche Donaldist in Fettnäpfchen.

21.06.2023, 15:05:00

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Anonym

@~anonym~

Es ist 2023 und "Sexus complexus" von Protzhold Pimmel ist noch immer nicht erschienen.

22.06.2023, 05:51:34

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Coolwater

@coolwater

Hat mit dem Namen vielleicht keinen Verleger gefunden. Den Protzhold kauft dem guten Herrn Pimmel doch keiner ab.

22.06.2023, 10:06:57

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StefanHD

@stefanhd

Natürlich hat sich dann gezeigt, dass Gans viele Quellen benutzt hat, die ein guter Barksist-Donaldist niemals als kanonisch bezeichnen würde. Das eigentlich Skandalöse ist allerdings, dass ein gutes Drittel der Fußnoten fehlerhaft ist. Meist hat er MM und TGDD durcheinander gebracht. Entspricht so gar nicht wissenschaftlicher Akribie! Manche Details sind auch nicht belegbar, wie z.B. der "Zoo Pipapo" (S.28). Aber immerhin hatte er die Fuchs-Texte verinnerlicht, denn er spricht vom "Pürzel", und nicht vom "Bürzel". 😁

Ich muss zugeben, dass ich die Quellen nicht überprüft habe. Das wissenschaftliche Arbeiten hatte auch bei mir noch nicht das nötige Niveau erreicht. Das Buch war eben "nur" ein wichtiger Auslöser des donaldistischen Interesses und vermutlich galt das für einige spätere Donaldisten.

22.06.2023, 16:27:56

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Das Schwarze Phantom

@das_schwarze_phantom

Ein Beispiel für schludrige Recherchen, das jedem Donaldisten sofort auffallen muss, findet man im Kapitel III. Dort heißt es, Donald habe drei Jahre zuvor (!) den dritten Preis (!) im Sackhüpfen beim Wiesenfest gewonnen. Wie jeder Barks-Kenner weiß, war es aber der vierte Preis im Alter von drei Jahren. Ein kleiner Unterschied! Anfang der 70er Jahre galten Comics eben noch als Schund. Da hat sich Grobian Gans wohl nicht träumen lassen, dass es jemanden geben würde, der die Angaben in seinem Buch nachprüft. 😁

22.06.2023, 19:35:07

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Theodora Tuschel OP

@theodora_tuschel

Stimmt. Aber Donaldismus ist in meinen Augen - genauso wie jede wirklich große, innovative Wissenschaft - die Kombination von strenger Wissenschaftlichkeit (einschließlich Quellen- und Methodenkritik) mit grenzüberschreitender Phantasie. Es gibt nicht viele Menschen, die in der Lage sind, enge Strenge mit einem Feuerwerk von Gedankenblitzen zu verbinden. Vielleicht gibt es deswegen so viele Naturwissenschaftler unter den Donaldisten: strenges Denken können sie, und wem noch dazu Phantasie in die Wiege gelegt wurde, der wird ein richtig guter Donaldist.

22.06.2023, 20:51:30

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Coolwater

@coolwater

Da hat sich Grobian Gans wohl nicht träumen lassen, dass es jemanden geben würde, der die Angaben in seinem Buch nachprüft. 😁

Die drei Spezln hinter "Grobian Gans" hätten sich wohl auch nicht träumen lassen, daß mehr als ein halbes Jahrhundert später ernste Leute noch immer ernst über ihr Buch reden. Ich sag' Euch, Die Ducks. Psychogramm einer Sippe ist eine Schwabinger WG- und Kneipen-Geburt der ausgehenden Sechziger. Da war zuviel andres los, drum das Gschlampe. Wenn irgendwo das nächste Sit-in, der nächste Krawall, die nächste freie Liebe, das nächste Helle in der Kneipe winkt, mag man nicht zu Haus hocken und Fußnoten überprüfen. Die Anmerkungen haben die drei wahrscheinlich als etwas beßre Deko gesehen. Schaut halt wissenschaftlich aus. Auch kann ich mir denken, daß sich in diesem Punkt zum Nachteil des Buches ausgewirkt hat, daß drei Köche am Breitopf zugange waren. Die Kärrnerarbeit des Fußnotenüberprüfens liebt niemand. Von den dreien sittet der eine grad in, der zweite krawallt, der dritte liebt frei, und jeder gfreit si wiar a Schnitzel, wieviel Spaß er hat, und wähnt, die andren beiden hocken grad zusammen und überprüfen mit saurem Fleiße die Anmerkungen. Die drei Spezln waren halbe Donaldisten, und das Buch war ein halber Scherz. Dafür ist es ziemlich gut.

22.06.2023, 21:35:50

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Das Schwarze Phantom

@das_schwarze_phantom

Ja, da stimme ich zu. Das Buch hat ja vor allem einen satirischen Ansatz. Dies hatte schon HvS in unserem Zentralorgan einst hervorgehoben, der es als "großartige Verarschung des wissenschaftlichen Formalismus" (HD 1 <1976>, S.2) gewürdigt hat.

23.06.2023, 07:25:12

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