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Ein Fundstück

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Theodora Tuschel OP

@theodora_tuschel

Anfang 1945 war im Rüstungsbetrieb "Vorwerk Mitte", wo Triebwerke für die V2-Rakete getestet wurden (Betriebsleiter: Günter Fuchs) nicht mehr viel zu tun. Die als Zwangsarbeiter eingesetzten KZ-Häftlinge wurden anderweitig beschäftigt, u.a. mit Entladen von Eisenbahnwaggons voller Waren, die vor den anrückenden Alliierten versteckt werden sollten. Zwei Kanister trinkbarer Alkohol führten zu einer gelockerten Stimmung bei den Häftlingen und zu einer lustig-verzweifelten Stimmung bei den Bewachern. "Sie baten uns, während des Rückmarsches zu singen", schreibt Ryszard Kessler. "Wir sangen alle Lagerlieder: 'Die blauen Dragoner', 'Tirol, Tirol', 'Emserland', 'Das Dörflein im Walde' ... Lagerlieder, die wir in Auschwitz, Neuengamme und Buchenwald täglich nach dem Abendappell stundenlang singen mussten. ... Jetzt aber war es ein Vergnügen. Es störte keinen, dass es Militärlieder waren. Das Lied 'Tirol, Tirol' hatte den Refrain:
Die Wolken ziehn dahin,
sie ziehn auch wieder her,
der Mensch lebt nur einmal
und dann nicht mehr."
Tirol, TirolIch behaupte nicht, dass es da eine direkt Verbindung gibt. Soldatenlieder aus dem Ersten Weltkrieg waren einfach bekannt. Aber interessant ist es schon, was sich in den Übersetzungen von Erika Fuchs wiederfindet.

17.06.2026, 21:11:26

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paTrick

@patrick_

https://www.alleswisser.org/Liste_der_Zitate_im_Fuchstext:_Liedgut#Volkslieder

18.06.2026, 08:04:44 (bearbeitet)

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Dr. Dulle, Astronom (PräsidEnte der D.O.N.A.L.D.)

@stefanhd

theodora_tuschel, danke für Deine Recherche zu Günter Fuchs und für die Information, dass „Tirol, Tirol“ bei dieser Gelegenheit auch von Zwangsarbeitern im Zusammenhang mit dem V2-Projekt gesungen wurde. Diese Erinnerung an eine sehr dunkle Zeit macht einen irgendwie traurig. Trotzdem sind solche Recherchen natürlich wichtig, da sie sie helfen, historische Zusammenhänge und die Einordnung von Personen klar zu machen.

18.06.2026, 16:01:55

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Theodora Tuschel OP

@theodora_tuschel

Ja, dass "Die Wolken ziehn dahin" nicht von Erika Fuchs erdacht wurde, ist längst bekannt. Interessant sind die Beziehungen und die Wege, auf denen solche Texte in die Fuchs-Übersetzungen eingegangen sind.
Der Text zu diesem Lied, den die KZ-Häftlinge normalerweise singen mussten, ist so schlimm, dass ich ihn hier nicht mitteile. Das hat Erika Fuchs ziemlich sicher nicht gewusst. Es ist das Halbwissen, das Viertel- und unklare Wissen, was mich gegenwärtig umtreibt. Da sind solche Fundstücke natürlich sehr interessant.

18.06.2026, 19:24:37 (bearbeitet)

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paTrick

@patrick_

Theodora Tuschel 

Der Text zu diesem Lied, den die KZ-Häftlinge normalerweise singen mussten, ist so schlimm, dass ich ihn hier nicht mitteile. Das hat Erika Fuchs ziemlich sicher nicht gewusst.

Verstehe ich nicht. Natürlich hat Frau Fuchs den Text gekannt. Solche Lieder wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch wiederholtes Singen verbreitet (immer bedenken: ein Radio hatte beileibe nicht jeder), und es war ein bekanntes Soldatenlied.
Man darf auch vermuten, dass Herr Fuchs seiner Gattin von den Zuständen in "Vorwerk Mitte" erzählt hat.
Ja, der Text ist schlimm, wenn man ihn im KZ-Zusammenhang denkt. Tut man das nicht, ist er aber gar nicht so weit vom Rührseligen Cowboy entfernt.

19.06.2026, 08:16:27

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