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Gangolf Seitz:

"Super in der Zeit"

Das Mairennen 2003
in Braunschweig



Der 17. Mai 2003. Regen könnt' es geben, fürchteten die Amokläufer, und also gab es Schirme. Der Geizhals gewöhnt sich an die Kunst, Geld auszugeben. Und die Donaldisten gewöhnen sich daran, pünktlich zu sein. So kam es, dass sich zu Füßen des Löwendenkmals auf dem Braunschweiger Domplatz ein ansehnliches Häuflein Mairenner einfand, noch bevor der Veranstalter damit gerechnet hatte. Man soll halt die Donaldisten nicht unterschätzen.

Der Veranstalter, die Gruppe "A.M.O.K.L.A.U.F." um die Präsidente Uwe Wackerhagen und seinen Famulus Richard F. Jebe musste sich also alle Mühe geben, auf Zeit zu spielen, obwohl das Rennen noch gar nicht begonnen hatte. Die Präsidente wechselte Westen und Hüte, was wertvolle Minuten einbrachte und versuchte, sich an all die Tricks zu erinnern, die ein gewieftes Fußballteam auf Lager hat, um ein gewonnenes Spiel über die letzten zehn Minuten zu bringen. Einwurf Braunschweig, weit in die eigene Hälfte, dort steht nur Jebe, der den Ball an Torwart Wackerhagen zurückt gibt. So verging die erste Stunde, doch wir lagen voll im Plan.

Originelles Völkchen, diese Braunschweiger. Aber da es nicht anständig ist, sich über andere Leute lustig zu machen, schworen wir, fürderhin jede Gelegenheit beim Schopf zu ergreifen und gute Taten zu tun. Da kam der brave Bäcker Bielmeier (der hier Barrass hieß) gerade recht. Wir taten ihm einen Gefallen und halfen beim Aufladen seiner Sahnetorten. Dafür tat er uns dann auch einen Gefallen, so dass die frustrierten Helfer am Schluss mit Buttercreme und Zuckerguss bespritzt vom Platz schlichen. Jedenfalls fast.

Der zweite Akt spielte schon wieder im Bäckereigewerbe. Im Laden ein Kunde, der gerne Semmeln haben möchte. Und auf dem Backblech unförmige Haufen, die von den Rennteilnehmern auf den Ladentisch befördert werden sollten. Mit Hammer und Meißel ist so was kein Problem, doch möchte der Kunde dann doch lieber was anderes. Weil der Verzehr der Semmeln nicht gefordert wurde, lagen wir super in der Zeit.

Zwischendurch wurde noch schnell ein Kreuzworträtsel gelöst. Säbelbein oder Seidelbast, das ist hier die Frage. Schnell sollte man auch noch sein dabei, das ist bei einem Rennen wie dem heutigen natürlich kontraproduktiv. So kann es kommen, dass die Uhr plötzlich im Minus steht und Torwart Wackerhagen sich mit seinem Libero Jebe in die Wolle bekommt, weil der den Ball nicht fünf Minuten auf dem linken Fuß gehalten hat.

Ziemlich langweilig, das Ganze. Da überlegt man sich schon mal, lieber in ein Reisebüro zu gehen, um Urlaubstickets an die Costa Canasta zu kaufen. Doch vor den Urlaub hat die Rennleitung einen leibhaftigen Professor gestellt, der in der Fußgängerzone Freiwillige hypnotisiert. Und schon wird aus einem Mairenner ein heimwehkrankes Känguru, das mit Riesensätzen ins nächste Reisebüro springt, um ein Ticket nach Australien zu kaufen. Und da die begleitenden Neffen auch Kängurus sind, reisen sie gleich mit.

Braunschweig, im 12. Jahrhundert Residenz Heinrichs des Löwen, kann mit einer Vielzahl von Löwenabbildungen aufwarten. So bot es sich an, die Rennteams mit einer Elektronenkamera auszustatten und sie alle Löwen knipsen zu lassen, die ihnen vor die Linse kamen. Schon standen wir im Kampf um eine Goldmedaille. Leider waren auch andere Teams im Rennen, und wir waren nur Zivilisten. Trotzdem gelangen Hunderte von Löwenbildern, damit wenigstens die Nachwelt weiß, wo der Fotograf hingekommen ist.

Nun ist es Zeit, mit dem Bus zu fahren. Denn vor den Toren der Stadt steht das Münster. Es soll so groß sein wie der Stephansdom in Wien, nur nicht ganz so schön. Ein betresster Fremdenführer erläuterte die Sehenswürdigkeiten: den Münsterbrunnen, die Münsterorgel, die Katakomben. Da erklingt getragene Musik durchs Kirchenschiff, der Mann mit dem Goldhelm gerät ins Schwitzen, faselt etwas von geheimnisvollen Münstermännchen und ergreift die Flucht. Den tapferen Rennteilnehmern bleibt es überlassen, den Flötentönen nachzusteigen und zu sehen, wie sie ihre Flöte wiederkriegen. Die zisterziensischen Baumeister haben zum Glück, ihren Regeln folgend, auf protzige Türme verzichtet, so dass den Mairennern die tollkühne Jagd auf dem Münsterturm erspart blieb. Aber immerhin wurde der Dachboden erstiegen, wo, verkleidet, vermummt und verhüllt, das Männchen gestellt wurde, das dort seine Zeit mit dem Bau eines Münzmünsters zubringt. Gegen Zahlung von ein paar Münzen war es auch bereit, seine Flöte herzugeben und lüftete schließlich gar sein Geheimnis: es sieht aus wie Richard Jebe!

Unweit des Münsters befinden sich die Braunschweiger Feuchtgebiete mit der Lachsbrutanstalt. Kein berühmtes Unternehmen, denn der Chef läuft im Overall herum. Aber die Rennteilnehmer, Jünger des Eukalyptos, sind Herren über alle Geschöpfe und übernehmen deshalb jede Arbeit, um zu beweisen, dass der Wille erreicht, was er erstrebt. Frohsinn mag ja sehr schön sein, aber beim Lachsbrüten hat man für derlei keine Zeit. Und im Becken warten mindestens eine Million Fische, die alle laichen wollen. Also gilt es, den Fischen zügig ihre Nester zu bauen und mit dem Besen das Becken zu reinigen. Wer sich dabei nicht richtig dreckig macht, verliert natürlich Punkte. Und wer zu schnell ist, ebenfalls, denn immer noch liegen wir viel zu gut in der Zeit.

Doch es naht die letzte Station des anspruchsvollen Spektakels: das Stadtentwesungsamt. Wieder hat die Rennleitung einen Professor aufgeboten, der von biologischer Schädlingsbekämpfung daherredet und alle Gurkenstaaten vom gefährlichen Gurkenmurkser befreien will. Der Professor kann sogar den natürlichen Feind des Murksers unter dem Mikroskop vorführen, die Pestwespe (früher: Brisanzbremse). Mit so viel theoretischer Vorkenntnis und einem Handzettel bewaffnet steigen die Donaldisten in den Artenkampf ein, und es ist fast unwesentlich, dass zufällig auch noch ein paar Saurier mitmischen. Binnen Minuten sind die Probleme des guten Professors gelöst, und voll im Zeitplan wird ein Gasthaus angesteuert.

Hier warten schon die kulinarischen Finessen der Gegend, Currywurst und Spargel, sowie eine pedantische Jury, die mit einem Elektronengehirn alle Löwenbilder auswertet. Und sowieso auch alles andere, so dass nach gebührender Zeit (irgendwann müssen die Uhren ja wieder gleichgeschaltet werden) endlich die Sieger verkündet werden: hochverdient gewonnen hat das Team um Tobias Tödter, Uwe Lambach und Graubart Brunz.

Ein Mairennen, das die Teilnehmer so schnell nicht vergessen werden. Und wer nicht teilnahm, hat ganz schön Pech gehabt.

Dieser Bericht erscheint mit vielen Bildern auch in der nächsten Ausgabe des "Der Donaldist". Schon der Bilder wegen lohnt sich ein Abo. Und wegen der anderen Beiträge auch! Siehe unter "Der Donaldist".

Text: Gangolf Seitz
Bilder: Patrick Martin, Thorsten Bremer und A.M.O.K.L.A.U.F.