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"Der Donaldist"

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Gangolf Seitz:

Das donaldische Quiz 147

"I don't make merry myself at Christmas and I can't afford to make idle people merry."
Ebenezer Scrooge, in: Charles Dickens, "A Christmas Carol In Prose"

"Timeo Danaos et dona ferentes"
Laokoon, in: Publius Vergilius Maro, "Aenaeis"

Die Fortentwicklung der Traditionen hat dazu geführt, dass das Weihnachtsfest, ursprünglich die Feier der Menschwerdung Jesu, zu einem Familienfest geworden ist, an dem unter einem in der guten Stube aufgestellten Nadelbaum vor allem an die Kinder Geschenke verteilt werden. Wir wollen uns an dieser Stelle keine Gedanken darüber machen, was die ökologischen Konsequenzen davon sind, dass allein Deutschland jedes Jahr 30 Millionen Nadelbäume zu diesem Zweck abgeholzt werden. Wir wollen uns auch nicht damit befassen, ob denn dieser Baum gar ein heidnisches Symbol sei, das sich seit einigen Jahrhunderten in christliche Haushalte eingeschlichen hat. Auch soll uns die Tatsache, dass die Verteilung von Geschenken mittlerweile den religiösen Ursprung des Festes vielfach verdrängt hat, nicht allzu viele Gedanken machen. Aufhalten wird sich diese Entwicklung ohnehin kaum lassen. Waren in früheren Zeiten die Gaben noch bescheiden und bestanden etwa aus einem Golfball, einer Murmel oder einer Kleinpackung schlichter Zwiebacke, so kann man heute mit derartigen Petitessen weder Freude noch Dankbarkeit hervorrufen. Da muss es schon ein veritabler Dampfbagger sein oder ein Riesenrad, oder mindestens ein lebendes Rentier oder ein Kamel.

Dabei weiß doch jeder, dass Geschenke nicht immer aus ehrlicher Nächstenliebe erfolgen. Immer schon für eine gewisse Schlitzohrigkeit bekannt waren die Griechen, die nach vergeblicher zehnjähriger Belagerung der Festung Troja so taten, als würden sie abziehen, und vor den Toren Trojas ein großes hölzernes Pferd stehen ließen. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Umso mehr Freude kann auslösen, wer reinen Herzens und ohne Hintergedanken schenkt. Das musste auch die Person erleben, der wir uns heute zuwenden wollen. Ihr bewegtes Leben an der Seite eines tüchtigen Geschäftsmannes hatte sie durch viele Länder geführt. Im Arabischen war der Gefährte erfolgreich im Ölgeschäft tätig gewesen, eine erhebliche Menge Ölquellen konnte er sein Eigen nennen. In China hatte er mit Tee spekuliert, und in einer Zeit, als die spinnerten Tierschützer noch nicht den heutigen Einfluss hatten, konnte er mit erheblichem Gewinn Krokodilleder aus Ägypten importieren. Ungern erinnert sich seine Frau an die harten Zeiten, als sie in einer sturmgepeitschten Hochebene von Tibet Handel mit getrockneten Lämmerschwänzen trieben, doch der Gewinn rechtfertigte den Einsatz.

Der erhebliche persönliche Einsatz des Geschäftsmannes und seiner ihn kompromisslos und liebevoll unterstützenden Gattin führte dazu, dass sich die Eheleute auf die Verwaltung der Firma und ihres Vermögens konzentrieren konnten und Wohnung in einer angemessenen Villa im besten Viertel von Entenhausen nehmen konnten. Doch waren sie nicht darauf aus, ihr Vermögen zu horten. Ihr großherziges Mäzenatentum und ihre Unterstützung der minderbemittelten Bevölkerung waren Stadtgespräch. Nach einigen Jahren verlieh die Regierung dem großzügigen Geber deswegen einen Ehrentitel, der heute nur noch im Österreichischen üblich ist. Leider war es ihm nicht vergönnt, sich lange daran zu erfreuen. Als er, des großen zu erhoffenden Gewinns wegen, im höheren Alter noch einmal eine Geschäftsreise antrat, beging er einen unverzeihlichen Fehler: er begab sich an Bord eines Schiffes. Die mit Gold beladene „Pavor“ strandete aber an den Klippen des Gumpensundes, und unsere Rätselperson wurde zur Witwe.

Allein und zurückgezogen bewohnte sie von da an die Villa mit dem eindrucksvollen Portikus. Die Großherzigkeit, die das Ehepaar ausgezeichnet hatte, vermochte sie nicht aufrecht zu erhalten. Das Haus, in dem so viele ausgelassene Feste gefeiert worden waren, wurde still.

Die Beiden waren ein gutes Team gewesen, aber auf sich allein gestellt war sie nicht mehr imstande, den bisherigen großzügigen Lebensstil weiter zu pflegen. Die Trauer um den verlorenen Gefährten hat sie nie überwunden. Die Leute sagten, sie sei mit der Zeit „wunderlich“ geworden, zumal sie ihre Mitbürger meistens durch ein Lorgnon zu betrachten pflegte. Nach vielen allein verbrachten Jahren beschloss sie, wiederum eine Gemeinschaft einzugehen, um ihrer Einsamkeit etwas entgegenzusetzen. Aber die alte Lebensfreude kehrte nicht zurück.. Mit ihrem verständnisvollen und geduldigen Gefährten bewohnte sie in stiller Zweisamkeit ihre große Villa.

Unvergessen blieb ihr der Weihnachtstag, an dem völlig überraschend ihr neuer Gefährte uneigennützig und großherzig beschenkt wurde. Man könnte denken, der Gebende hätte es auf die nicht eben geringen Güter der Witwe abgesehen gehabt. Aber die Gaben kamen aus ehrlichem Herzen, ohne Hintergedanken und bösen Willen und lösten deshalb umso mehr Freude aus. Von diesem Tag, als ihr Haus plötzlich mit einer Schar lebhafter und musizierender Menschen gefüllt war, wird sie noch lange reden.

Wer war die Witwe?


Die Auflösung ist im DER DONALDIST 148 nachzulesen.