zurück zur D.O.N.A.L.D.-Homepage
-Startseite
-Impressum & Kontakt
-Forum

Die D.O.N.A.L.D.

+Informationen
+Forschung
+Veranstaltungen
-Stammtische
-Termine
-Presseberichte
-Mitgliederbereich

"Der Donaldist"

+Informationen
-Sonderhefte
-Bestellung
-Das donaldische Quiz

Gangolf Seitz:

Das donaldische Quiz 114

"You can’t always get what you want"
(The Rolling Stones)

"You can get it if you really want"
(Jimmy Cliff)

Er war ein Träumer mit schlichtem Gemüt. Lange Zeit konnte er in der Sonne sitzen und seiner Fantasie freien Lauf lassen, sich wenigstens in Gedanken von den Unzulänglichkeiten seines irdischen Daseins lösen und ein wunderbares Leben führen, das ihm hienieden verwehrt war. Dann sah er sich auf edlem Rappen über endlose Prärien jagen, mit schnittiger Yacht vor den Küsten eines tropischen Landes kreuzen, im Düsenflugzeug über die Kontinente eilen. Schnell, effektiv, mit kühler Intelligenz ausgestattet, wo nötig erbarmungslos zupackend, so stellte er sich den Ich-Helden seiner Tagträume vor. Schon als Knabe hatte er sich seine fiktiven Welten erschaffen, hatte in seinen Gedanken aus Büchern und Filmen Heldengestalten extrahiert, die er übergangslos in seine Träume eingliederte und deren Eigenschaften er selbst nach Bedarf annehmen konnte. Mit Old Shatterhand war er durch die Rocky Mountains geritten, mit James Bond hatte er eine mörderische Autoverfolgungsjagd hingelegt, mit Sherlock Holmes hatte Indiz auf Indiz gehäuft und schließlich, wie in all seinen bunten Fantasien, das Böse zur Strecke gebracht. Denn immer drehten sich, wie bei vielen Männern, seine Träume um das Eine, die Jagd nach dem Bösen, und immer winkte ihm der Erfolg und zuweilen sogar Hand und Herz einer rassigen Schönheit. Mochten es Viehdiebe im Wilden Westen sein, Atomspione an der Riviera, Eisenbahnräuber im hohen Norden - er brachte sie alle zur Strecke, in seinen Träumen zumindest.

Bei seiner schlichten Struktur war es ihm indes nicht immer gelungen, facts und fiction sauber zu trennen. In der naiven Hoffnung, auch das Leben sei nur einer seiner schönen Träume, hatte er sich auch beruflich der Verbrecherbekämpfung verschrieben. Wie er schnell feststellen musste, hatte die Realität aber allerlei unangenehme Überraschungen bereit, die in seinen Träumen nicht vorgekommen waren. Hatte er zuvor noch als einsamer Held am Steuer eines luxuriösen Sportwagens millionenschwere Diamantenschmuggler gestellt, so galt es jetzt höchstens, das Dienstfahrzeug zu wienern. Hatte er zuvor noch auf einer rasenden Jagd über mehrere Kontinente einen östlichen Diplomaten dingfest gemacht, der sich die Weltherrschaft unter den Nagel reißen wollte, so war sein Aktionsradius jetzt begrenzt durch den Gumpenfluss, das Entenhausener Hafenbecken und die Grenze zur Gemeinde Gösselstedt. Nur schwer vermochte er die Tristesse seines Daseins mit der glänzenden Rolle zur Deckung zu bringen, die er in seinen Träumen spielte. Immer häufiger legte sich die Fantasiewelt über den grauen Alltag, und oft sah man ihn im Büro sinnend über seinen Schreibtisch hinweg auf das milchglasgefüllte Fenster starren, das, gnädig genug, die Realität aussperrte.

In der hierarchisch geordneten Struktur des öffentlichen Dienstes ist einem solchen Mann keine große Chance gegeben. Seine Vorgesetzten duldeten ihn als harmlosen Spinner, doch der Aufstieg in den gehobenen Dienst blieb ihm verwehrt. Und wenn es - selten genug -  in seinem Bezirk zu einer veritablen Verbrecherjagd kam, dann beschränkte sich seine Rolle, hierin einem seiner Vorbilder allerdings nicht unähnlich, darauf, schon mal den Wagen zu holen.

Wer war's?


Die Auflösung ist hier nachzulesen (und im DER DONALDIST 115).