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"Der Donaldist"

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Gangolf Seitz:

Das donaldische Quiz 111

"Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles."
(J.W. Goethe, Faust)

Bekanntlich liegt das Gold auf der Straße, und man braucht es nur aufzuheben. Heutzutage ist die Straße das Internet, und eine unternehmungs- und abenteuerlustige Generation von Jungmannen durchstreift auf der Jagd nach Kröten, Kies und Keschkesch die wunderbaren Weiten des Netzes. Sie gründen virtuelle Gesellschaften, nehmen sich virtueller Probleme an und finden sich im Nu auf den vorderen Plätzen einer Hochrisikoliste wieder, wie etwa der Nassdack. Dann muss nur noch jemand in seiner Freude ein wenig Geld investieren, und schon sprudelt der Bimbes in hohem Bogen. Ein bewegendes Beispiel für eine solche Karriere lieferte jüngst das Unternehmen rieselgold.com. Während andere junge Dottkomms mit fatalen Fehlplanungen brutale Bauchlandungen hinlegten, vollführte rieselgold.com einen Bilderbuchblitzstart. Die mutigen Jungunternehmer realisierten eine Idee, die sie in einem sehr gescheiten Buch gelesen hatten. Nur mit einer Art Fleischwolf ausgerüstet stiegen sie ins e2m-Business ein. Das Konzept überzeugte genügend risikofreudige Anleger, und bereits nach wenigen Monaten machte die junge Firma ihrem Namen alle Ehre und füllte die Taschen ihrer Gesellschafter. Das ist die moderne Form des Goldrausches.

Immer schon verführte der Zauber des Goldes die Menschen. Sie vollbrachten die aberwitzigsten Dinge, um in seinen Besitz zu gelangen. Bei Temperaturen, die einem den Atem am Mund gefrieren ließen, siebten sie an den Ufern des Yukons goldhaltige Sände. Nur mit einfachsten Fußlappen geschützt durcheilten sie im glühendheißen Transvaal Ströme geschmolzenen Goldes. Jede Qual und jede Peinlichkeit nahmen Goldsucher gelassen auf sich, wenn sich damit nur dem gleißenden Ziel ihrer Wünsche nähern konnten. In diesem von Emotionen aufgeheizten Bereich liegen Pathos und Tragikomik allerdings nahe beieinander.

In besonderer Weise illustriert dies die Geschichte eines Mannes, dessen Leben zunächst in unbedeutenden, ja langweiligen Bahnen verlaufen war. Zusammen mit seiner Frau hatte er zwei Kinder in die Welt gesetzt, einen Jungen und ein Mädchen. Durch emsige Arbeit und unter Aufnahme nicht eben geringer Kredite hatte er ein kleines Häuschen inmitten eines gepflegten Gartens erworben. Zufrieden hatte er den makellosen Rasen gegen Nachbarn und Eindringlinge mit einem ordentlichen Palisadenzaun umgrenzt. Kaum je bemerkt hätte sein Leben seinen kleinen Kreis vollenden können, und schon seine Ururenkel hätten reelle Chancen gehabt, den Kredit des Duckschen Bankhauses endgültig tilgen zu können. Doch es kam anders.

Der Fluch des Goldes umnebelte das Hirn des braven Mannes, und er investierte seinen Notgroschen, den er in einer Zuckerdose im Küchenschrank aufbewahrte, in abenteuerlich anmutende Gerätschaften zur Goldsuche. Er hoffte, unter Umgehung fundamentaler physikalischer Gesetze seines Anteils an der güldenen Gabe teilhaftig werden zu können. Doch veränderten die wenigen Sekunden, die er glaubte, dem Golde auf der Spur zu sein, sein Leben nachhaltig.

Statt zum Krösus wurde er zum Krüppel. Als er aus den Höhenflügen des Goldrausches kommend unsanft mit dem Boden der Tatsachen Kontakt aufnahm, zog er sich nicht nur einen veritablen Schnupfen zu, sondern stieß derartig unglücklich auf einem Stein auf, dass er sich den zweiten Lendenwirbel brach und von Stund an den Beinen gelähmt war. Die treu sorgende Gattin, eben noch in euphorischer Hoffnung auf ein Leben in Luxus, musste den Glücklosen für den Rest seines Lebens in einem Rollstuhl durch die Straßen schieben. Unser Mann wurde schwermütig, was sich besonders dann verstärkte, wenn er im Straßenbild jenem Goldgräber begegnete, der berechtigt war, als Zeichen seines Erfolges und seiner sozialen Gesinnung besondere Beinkleider zu tragen.

So führte die Jagd nach ein bisschen Wohlstand oft genug zu massiven Einbußen der körperlichen Unversehrtheit bei jenen, die sich durch besonderen Einsatz ausgezeichnet hatten. Heutzutage, wo außer dem realen Gewinn alles andere auf virtuellen Ebenen abläuft, wird nach dem Misslingen der einen Gesellschaft eben eine neue gegründet. Während der Verlust nicht mehr vom einzelnen zu verantworten ist, sondern behende sozialisiert wird, werden Gewinne nach wie vor ungeschmälert eingestrichen, wobei oft sogar dem Fiskus sein Anteil vorenthalten bleibt. Wurde früher der Fröhliche Landmann noch in der Klavierstunde gespielt, so wird in heutiger Zeit ein solches Musikstück, falls es denn jemand überhaupt hören will, als MP3-Datei heruntergeladen. Ob das ein Fortschritt ist, soll hier nicht diskutiert werden.

Viel interessanter ist dagegen die Frage nach dem Mann, der das Streben nach Glück und Gold (was er für dasselbe hielt) mit einem Leben im Rollstuhl bezahlen musste.

Wer war's?


Die Auflösung ist hier nachzulesen (und im DER DONALDIST 112).