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"Der Donaldist"

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Die Genese der donaldistischen Forschung

Die große Stärke der donaldistischen Wissenschaft ist ihre Universalität. Sämtliche klassischen Wissensgebiete finden unter dem Dach des Donaldismus ebenso ihre Heimat wie spezifisch Entenhausener Themen. Dennoch kann man in der Entwicklung des deutschsprachigen Donaldismus Phasen von unterschiedlicher Intensität bezüglich der einzelnen Ausrichtungen der Forschung unterscheiden. Bedingt durch die dominante Rolle des Gründers der D.O.N.A.L.D., Hans von Storch, genoß der naturwissenschaftliche Zweig des Donaldismus in den Anfangsjahren der Organisation Vorrang.

Bahnbrechende Untersuchungen dieser Zeit sind zum Beispiel:

  • Storchs "Klima in Entenhausen" (HD 13, 1978)
  • Storchs und Elke Imbergers "Sexualität in Entenhausen" (Sexualpädagogik und Familienplanung Nr. 2/1982 und HD 37, 1982)
  • Wolfgang Fehlmanns "Fehlmannsche Kapsel" (HD 8/9, 1978)
  • Ernst Horsts "Unser Freund - das Atom" (Teil I-IV: HD 34, 1982; HD 37, 1982; HD 40/41, 1984; DD 72, 1990)

Daneben wurde den soziologischen oder psychologischen Ansätzen weniger Interesse entgegengebracht, allerdings erbrachte der Donaldismus auch auf diesen Gebieten wegweisende Leistungen durch Roland Wais ("Entenhausen - Mahnung und Vorbild", HD 36, 1982) und Elke Imberger ("Ritter Donald und die Minne", HD 19, 1979; sowie "Ad maiorem Doretta gloriam. Das Paradies der guten Seele", HD 25, 1980). Die heute noch gültigen Bestimmungen der Struktur des Donaldismus gehen auf Edu Wehmeiers "Entität des Inneren Donaldismus" (HD 3, 1977) zurück. Vor allem aber begründete Michael Machatschke den bisher nur von ihm vertretenen Zweig der empirealen Forschung, der über die Nachstellung von Entenhausener Phänomenen zu deren Klärung gelangen will (mustergültig sein Bochumer Kongreßvortrag, HD 37, 1982). Mit der Einführung dieser Methodik bestätigte Machatschke letztlich aber nur die auf empirische Beobachtungen beruhenden Naturwissenschaften.

Diese vorherrschende Ausrichtung nahm 1983 Jörg Lieser auf, um die Thesen Storchs dialektisch gegen ihn selbst wenden zu können und die soziologische Erörterung Entenhausens als dominanten Diskurs zu verankern. Der zentrale Text zu diesem Paradigmenwechsel ist Liesers "Donaldistische Utopie" (Teil 1-3, Macoco Spezial 1 und HD 40/41 + 42, 1983; Mococo Spezial 6 + 8, 1983, und DD 63, 1988). Neben einer eingehenden Analyse der Entenhausener Gesellschaft betreibt Lieser hier eine Revolutionierung der D.O.N.A.L.D. Ohne ihm in diesem letzteren Punkt zu folgen, verstärkten einige der heute noch bedeutendsten Autoren des Donaldismus - wie PaTrick Bahners, Hartmut Hänsel, Gangolf Seitz und Andreas Platthaus - später die Liesersche Kehre durch Beiträge wie Bahners' "Per aspera ad Entenhausen" (HD 49, 1985) und sein "Bildet Lesen?" (2 Teile, DD 65 + 66, 1989), Hänsels "Wehrsportgruppe Fieselschweif" (DD 53, 1985), Seitz' und Rapps "Die Auswirkungen des Permutations-Syndroms auf die Lebensqualität in Entenhausen" (DD 69, 1989) und Platthaus' "General Theory of Money Circulation, Materialism and Greed" (2 Teile, DD 72 + 73, 1990). Doch trotz dieser Gewichtsverschiebung konnte auch der naturwissenschaftliche Donaldismus neue Horizonte eröffnen: Gary Gearloose entwickelte seine "Spezielle Temporaltheorie" (DD 59, 1987), Klaus Harms die "Kühne Theorie" (DD 68, 1989), und Storch faßte in der "Anatidischen Physik" (DD 55, 1986) die Argumente für die Stella Anatium-These zusammen, die von Platthaus in "Vulkanismus auf Stella Anatium" (DD 65, 1988) noch einmal bekräftigt wurde. Liesers "Utopie" verankerte Entenhausen allerdings fest auf unserem Planeten und regte damit die bislang letzte Wende im wissenschaftlichen Donaldismus an. Wo Storch, Horst und Lieser mit sich zwar jeweils widersprechenden Theorien immerhin die Frage nach der Lage Entenhausens buchstäblich erschöpfend behandelt hatten, mußte die Attraktivität von naturwissenschaftlichen Ansätzen, die diesbezüglich Aufschluß versprachen, abnehmen. Mit der Abkehr vom Blick auf das physikalische und soziologische Gesamtbild Entenhausens triumphierte die individualisierende psychologische Forschung und die donaldistische Philosophie.

Zum Auslöser des zweiten Paradigmenwechsels wurde Klaus Bohn mit der Duck-Biographie "DUCK 2000" (Hefte 1-4, 1989-91) und der umfangreichsten Untersuchung der bisherigen donaldistischen Geschichte, seinem Opus magnum "Der Bücherdonald - Die große Lesekunde des Donaldismus" (1992), Bohns Anliegen ist die Revision des Barksschen Donald-Bildes und der Nachweis der realen Existenz Entenhausens in dieser Welt. Die Charakteranalyse Donald Ducks fand ihren vorläufigen Höhepunkt jedoch in Bahners' Artikel "Was ist eigentlich der Herr Duck für einer ?" (DD 87, 1994). Ein weiterer Nachweis für die Fruchtbarkeit individuell ausgerichteter Untersuchungen ist Seitz' provokanter Aufsatz "Wie kommt der Toast auf den Mond?" (DD 82, 1992). Gleichzeitig verwandelten er ("Put! Put! Put!", DD 89, 1994), Platthaus ("Tombouctou, mon amour", DD 84, 1993, und "Der Fluch der Verwucherung", DD 89, 1994) und Bahners ("Der Knoblismus der Gesellschaft", DD 82, 1992) die rein soziologische zu einer soziopsychologischen Ausrichtung, und Harms beschritt mit der "Fuchsjagd - Fehlleistung" (DD 86, 1993) erstmals das Gebiet der Sprachwissenschaft. Allen diesen Ansätzen gemein ist ihr Bestreben, mittels der Erläuterung spezieller Phänomene eine metaphysische Verwurzelung Entenhausens vorzunehmen, die die Etablierung der realen Duckschen Welt nun auch auf geistigem Terrain nachvollziehen soll und das Gedankengut der Ducks gleichberechtigt neben unsere Philosophie stellt.

Neben diesem ambitionierten Projekt stehen aber auch unzählige wegweisende Arbeiten, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Marc Degens' und Hajo Mönighoffs unübertroffene "Wahrheit über die Duck-Sippe" (DD 67, 1989) initiierte eine ganze Welle fundierter genealogischer Untersuchungen. Lars Kaschke legte eine Studie über die Panzerknacker AG vor ("Die Panzerknacker AG; Mythos und Wirklichkeit", DD 78, 1991; Zusammenfassung siehe Seite 8), Hajo Aust bewies die Vorbildlichkeit der Entenhausener Edukation ("Schulwesen im Spannungsfeld von Repression und Reform", DD 78, 1991), Ernst Horst ("Unser Freund - das Atom. Teil 4", DD 72, 1990) und Uwe Mindermann ("Ungewöhnliches Biotop", DD 76, 1991) trieben in ihren Abhandlungen zur Pseudopetasien-Frage die naturwissenschaftliche Betrachtung Entenhausens auf eine ironische Spitze. Ob und wie lange die geschilderten Tendenzen weiter andauern werden, liegt weniger im Ermessen der bereits etablierten donaldistischen Forscher als vielmehr am Engagement unbelasteter Donaldisten. Lieser wie Bohn veränderten als Außenseiter das Gesicht der scientific community. Deshalb ist der Zuwachs an frischen Ideen und wissenschaftlicher Kompetenz das Lebenselixier des Donaldismus.

Andreas Platthaus, 1995